Jede Schwangerschaft hat mich etwas gelehrt. Manches habe ich erst nach und nach verstanden, anderes durch Erfahrungen, auf die ich gern verzichtet hätte.
Heute, in meiner 11. Schwangerschaft, gibt es einige Dinge, die ich nicht mehr so machen würde wie früher.
1. Die Verantwortung vollständig an andere abgeben
In meinen ersten Schwangerschaften und bei meinen frühen Geburten habe ich den Aussagen von Ärzten und Hebammen oft vertraut, ohne viel nachzufragen. Ich ging davon aus, dass sie schon wissen würden, was für mich und mein Kind richtig ist.
Bei einer Geburt sollte ich stark pressen, obwohl ich selbst noch keinen Pressdrang verspürte. Die Geburt ging durchaus voran. Trotzdem wurde meinem Kind aus meiner heutigen Sicht nicht die Zeit gelassen, die es gebraucht hätte, um langsam durch den Geburtskanal zu treten. Durch das starke Pressen war sein Kopf anschließend deutlich gestaut. Ich riss und verlor mehr Blut, als gut für mich war.
Bei meiner neunten Geburt sagte ich meiner Hebamme zweimal, dass ich zu viel Blut verlor. Beide Male tat sie meine Sorge mit den Worten ab: „Es ist alles in Ordnung.“ Sie sah nicht einmal nach. Erst als ich kollabierte, erkannte sie, wie ernst die Situation tatsächlich war.
Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich meine eigene Wahrnehmung nicht übergehen darf. Fachliche Begleitung kann sehr wertvoll und manchmal lebenswichtig sein. Das bedeutet aber nicht, dass ich meine Verantwortung vollständig abgeben muss.
Heute möchte ich verstehen, was gemacht wird und warum. Ich frage nach, informiere mich und spreche deutlich aus, wenn sich etwas für mich nicht richtig anfühlt. Vor allem nehme ich die Signale meines Körpers ernst, auch dann, wenn jemand anderes zunächst sagt, es sei alles in Ordnung.
2. Mich von jedem Ratschlag verunsichern lassen
In meinen ersten Schwangerschaften und in der ersten Zeit mit meinen Kindern las ich viele Bücher. Auch von Bekannten bekam ich immer wieder gut gemeinte Ratschläge darüber, was ich unbedingt tun oder vermeiden sollte.
Als meine ersten beiden Kinder klein waren, wurde mir zum Beispiel das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ empfohlen. Besonders bei meinem zweiten Kind, das sehr schlecht schlief, wurde mir vermittelt, dieses Buch könne die Lösung sein.
Damals war ich jung, erschöpft und wollte natürlich alles richtig machen. Heute sehe ich die darin beschriebene Methode als schlimm und schädlich für ein Kind an. Sie entspricht weder meinem Verständnis von Geborgenheit noch dem Umgang, den ich mir für ein Kind wünsche.
Inzwischen höre ich mir andere Meinungen zwar an, übernehme sie aber nicht mehr ungeprüft. Ein Rat kann gut gemeint sein und trotzdem nicht zu meinem Kind, meiner Situation oder meinen Werten passen.
Ich wähle meine Informationsquellen heute bewusster aus und frage mich: Ist die Aussage nachvollziehbar? Passt sie wirklich zu uns? Und hilft mir diese Information oder macht sie mir vor allem Angst?
3. An einer Ernährungsweise festhalten, obwohl sie mir nicht guttut
Ich habe mich schon früh intensiv mit Ernährung beschäftigt. Lange lebte ich vegetarisch und einige Jahre auch vegan. Obwohl ich bewusst aß und überzeugt war, mich gut zu ernähren, ging es mir körperlich damit nicht gut.
Ich hatte immer wieder Magenschmerzen und Reflux und war häufig über längere Zeit krank.
Mit der Zeit habe ich genauer beobachtet, welche Lebensmittel ich persönlich vertrage und welche nicht. Heute verzichte ich unter anderem auf Zucker, Schweinefleisch und Gluten. Fertigprodukte verwende ich nicht mehr, und vieles stelle ich selbst her.
Meine Ernährung orientiert sich inzwischen stärker an der Ernährungsweise, die heute als traditionelle Ernährung bekannt ist. Für mich bedeutet das vor allem: möglichst unverarbeitete Lebensmittel, eine bewusste Auswahl der Zutaten und traditionelle Zubereitungsweisen.
Das ist mein persönlicher Weg. Jeder Körper ist anders, und was mir guttut, muss nicht automatisch für eine andere Frau richtig sein.
Rückblickend würde ich nicht noch einmal über längere Zeit an einer bestimmten Ernährungsform festhalten, wenn mein Körper mir so deutlich zeigt, dass sie mir nicht bekommt.
4. Denken, ich müsste alles allein schaffen
Lange hatte ich das Gefühl, alles selbst schaffen zu müssen. Schließlich hatte ich mir meine Kinder gewünscht. Also meinte ich, auch den Haushalt, die Organisation und den gesamten Familienalltag möglichst allein und am besten noch perfekt bewältigen zu müssen.
Heute sehe ich das anders. Die Entscheidung für Kinder bedeutet nicht, dass eine Mutter jede Aufgabe allein übernehmen muss. Hilfe anzunehmen macht mich weder undankbar noch unfähig.
Ich würde mir heute früher praktische Unterstützung holen, zum Beispiel durch eine Putzfrau. Die dadurch gewonnene Kraft und Zeit fehlen meiner Familie nicht. Im Gegenteil: Sie helfen mir dabei, im Alltag nicht ständig über meine eigenen Grenzen zu gehen.
5. Pausen erst dann machen, wenn alles erledigt ist
Früher dachte ich oft, ich könnte mich ausruhen, sobald alles erledigt ist. In einem Haushalt mit Kindern kommt dieser Zeitpunkt allerdings kaum jemals.
Eigentlich merke ich deutlich, wenn ich eine Pause brauche: Ich bin erschöpft, meine Nerven sind dünner und ich werde schneller gereizt.
Heute versuche ich, diese Zeichen früher ernst zu nehmen. Dann darf auch einmal etwas liegen bleiben. Ein nicht vollständig aufgeräumter Haushalt ist weniger wichtig als meine körperliche und seelische Kraft.
Ich lerne noch immer, mir Pausen zu erlauben, bevor ich völlig erschöpft bin – und nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht.
Was ich aus meinen Schwangerschaften mitgenommen habe
Ich weiß auch heute nicht alles. Aber ich kenne mich selbst besser als früher. Ich hinterfrage mehr, nehme die Signale meines Körpers ernster und versuche nicht mehr, einem einzigen vermeintlich richtigen Weg zu folgen.
Jede Frau, jede Schwangerschaft und jede Familie bringen andere Voraussetzungen mit. Das hier ist mein persönlicher Weg, keine allgemeingültige Anleitung.
Was würdest du heute in einer Schwangerschaft oder im Familienalltag anders machen als früher?
